Das europäische Verkehrsnetz ist nicht bereit für die Klimakatastrophe: Prognosen warnen vor Schäden in Milliardenhöhe
Die europäische Verkehrsinfrastruktur steht vor einem beispiellosen Risiko durch den Klimawandel, warnt eine neue internationale Studie der Freien Universität Brüssel (VUB). Dem Bericht zufolge sind die bestehenden Straßen, Eisenbahnlinien, Häfen und Binnengewässer nicht darauf ausgelegt, der zunehmenden Häufigkeit und Intensität extremer Wetterereignisse standzuhalten.
Das von der Europäischen Kommission finanzierte Projekt analysierte Daten der letzten zwei Jahrzehnte und wendet diese auf verschiedene Klimaszenarien an. Die Ergebnisse sind alarmierend: Bei einem Szenario der globalen Erwärmung um 3 Grad Celsius bis zum Ende des Jahrhunderts könnte sich das Risiko einer extremen Hitzeexposition für die europäische Infrastruktur im Vergleich zum Zeitraum 1980–2009 um das 30-fache erhöhen.
Kritische Sektoren und wirtschaftliche Folgen
Einer der am stärksten gefährdeten Sektoren ist die Binnenschifffahrt. Wissenschaftler prognostizieren, dass bis zur Mitte des Jahrhunderts Dürren mehr als die Hälfte der Wasserwege in Europa beeinträchtigen könnten, und dieser Anteil könnte bis zum Ende des Jahrhunderts 70 % erreichen. Das Beispiel des Rheins, der in den letzten Jahren extreme Niedrigwasserstände verzeichnete, zeigt, wie dies Wirtschaftsketten lähmen kann. Allein in Deutschland könnten die potenziellen wirtschaftlichen Schäden durch solche Szenarien 2,4 Milliarden Euro übersteigen.
Auch der Schienenverkehr ist ernsthaft bedroht. Hitzewellen führen bereits jetzt zu Verformungen der Schienen und technischen Problemen, insbesondere bei älteren Zugmodellen, was zu massiven Streckensperrungen in Frankreich, Belgien und Großbritannien führt. Bis zum Ende des Jahrhunderts könnte das Risiko von Bränden, die Wege und Schienen betreffen, um das 26-fache ansteigen.
Direkte und indirekte Folgen
Die Studie unterstreicht, dass der Klimawandel nicht nur materielle Schäden verursacht. Verzögerungen im Verkehr und Unterbrechungen in den Lieferketten haben direkte Auswirkungen auf die wirtschaftliche Aktivität und die öffentliche Gesundheit. Es wird bereits das Phänomen beobachtet, dass Passagiere während Hitzewellen in Zügen festsitzen, was zu körperlicher Erschöpfung und medizinischen Notfällen führt.
Professor Wim Teijers von der VUB betont, dass die bloße Anpassung der Infrastruktur möglicherweise nicht ausreichen wird. Seiner Meinung nach ist der einzige nachhaltige Weg die radikale Reduzierung der Emissionen fossiler Brennstoffe, um die extremsten Szenarien zu begrenzen. Die Europäische Umweltagentur bestätigt diese Bedenken und fügt hinzu, dass selbst bei optimistischeren Klimaprognosen das Basisrisiko für Europa weiter steigen wird.


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