Strategie zur Verzögerung von Regulierungen
Große Hersteller von hochverarbeiteten Lebensmitteln (UPF) nutzen immer häufiger Gerichtsverfahren, um staatliche Maßnahmen zur Einschränkung ungesunder Ernährung anzufechten, zu verzögern oder zu schwächen. Laut den Ergebnissen einer internationalen Untersuchung wurden zwischen 2010 und 2025 insgesamt 235 Gerichtsverfahren in fünf Ländern registriert: Mexiko, Kolumbien, Brasilien, die USA und Großbritannien.
Etwa drei Viertel dieser Verfahren wurden direkt von Herstellern hochverarbeiteter Lebensmittel oder von den sie vertretenden Branchenverbänden eingeleitet. Die meisten Klagen richteten sich gegen Anforderungen an Warnhinweise auf Verpackungen, Einschränkungen der Werbung für ungesunde Produkte und die Einführung von Steuern auf sogenannte „Junkfood“-Lebensmittel.
Der Effekt der Gerichtsverfahren
Obwohl etwa 75 % der abgeschlossenen Fälle von den Lebensmittelunternehmen verloren gingen, betont die Untersuchung, dass die Rechtsstreitigkeiten oft jahrelang andauern. Die Gesamtdauer aller Verfahren beläuft sich auf fast 600 Jahre. Die Autoren der Analyse weisen darauf hin, dass selbst erfolglose Klagen es schaffen, die Umsetzung der Gesundheitspolitik zu verzögern und erhebliche administrative und finanzielle Ressourcen staatlicher Institutionen zu binden.
Das aktivste Land in diesem Segment ist Mexiko mit 193 Gerichtsverfahren. Die Forscher erklären dies mit der Tatsache, dass die lateinamerikanischen Länder zu den ersten gehörten, die strenge Maßnahmen zur Einschränkung des Konsums von hochverarbeiteten Lebensmitteln einführten. Experten merken an, dass die Ansätze der Lebensmittelunternehmen den Strategien ähneln, die jahrzehntelang von der Tabakindustrie angewandt wurden.
Gesundheitsrisiken und Positionen der Wirtschaft
Die Einführung von Kennzeichnungspflichten wird von Experten als erster Schritt zu einer strengeren Regulierung angesehen, die zu Steuern oder Werbebeschränkungen führen könnte. In der Zwischenzeit steigt der Konsum von hochverarbeiteten Lebensmitteln weltweit weiter an; in Ländern wie Großbritannien, den USA und Australien machen sie bereits bis zu die Hälfte der durchschnittlichen Ernährung aus.
Der hohe Anteil solcher Produkte wird mit einem erhöhten Risiko für Fettleibigkeit, Typ-2-Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, psychische Störungen und andere Gesundheitsprobleme in Verbindung gebracht.
Das könnte Sie auch interessieren
- BFSA verschärft die Kontrolle: Neue Biosicherheitsempfehlungen für Farmen aufgrund des Risikos von Infektionskrankheiten
- Reformen im Agrarsektor: Neues Genossenschaftsgesetz und Kriminalisierung von Subventionsbetrug vorgeschlagen
- Änderungen an Verordnung 10: Das Gesundheitsministerium verschärft die Kontrolle über nicht zugelassene Arzneimittel
- Marktkampf: Bulgarische Landwirte beschuldigen Handelsketten unlauterer Praktiken und Verdrängung lokaler Produkte
Als Reaktion auf die Untersuchung äußerten Unternehmensvertreter unterschiedliche Positionen. Coca-Cola gab an, dass gesundheitliche Herausforderungen die Zusammenarbeit zwischen Regierungen und Wirtschaft erfordern. Ferrero erklärte, dass man Maßnahmen gegen Fettleibigkeit unterstütze, aber an Gerichtsverfahren aufgrund der Art und Weise der Umsetzung einzelner Richtlinien teilnehme. Danone fügte hinzu, dass die Wirtschaft ein Partner der Institutionen sein müsse. Unternehmen wie PepsiCo, Mondelēz, Kellogg's, Xignux und Heartland Food Products Group kommentierten die Informationen nicht.