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Der „Coolcation“-Effekt: Wie Hitzewellen die Landkarte des europäischen Tourismus verändern

Reisen · 2026-07-26 15:27:33

Joëlle S.

Ein neuer Trend im Tourismus

Die extremen Temperaturen in Europa verändern nicht nur die Lebens- und Arbeitsweise der Einheimischen, sondern auch die Struktur des internationalen Tourismus. Es entsteht ein neues Phänomen namens „Coolcation“ (eine Kombination aus „cool“ – kühl und „vacation“ – Urlaub), bei dem Touristen kühlere Reiseziele wählen, um die Hitzewellen in den traditionellen Erholungsgebieten zu vermeiden.

Anstatt der klassischen Badeorte in Italien, Spanien und Griechenland richten Reisende ihre Aufmerksamkeit immer häufiger auf Nordeuropa – Schweden, Norwegen, Island und Finnland. Daten zeigen einen sprunghaften Anstieg der Buchungsanfragen: Laut einer französischen Buchungsplattform sind die Anfragen für Kopenhagen im Vergleich zur ersten Hitzewelle im Mai um 246 % gestiegen, während sie für Dublin um 151 % zunahmen.

Alternativen in den Bergen und nördlichen Regionen

Der Trend beschränkt sich nicht nur auf die skandinavischen Länder. Als Alternative zu heißen Stränden gewinnen auch Bergregionen an Bedeutung, in denen die Nachttemperaturen erträglich bleiben. Beispiele hierfür sind die Alpen in Frankreich, Italien und der Schweiz. Jean-Pascal Chopin, Direktor von Jura Tourism, stellt fest, dass Städte wie Saint-Claude im Jura im Juli deutlich höhere Besucherzahlen verzeichnen als in den Vorjahren.

Dieses Modell bietet Entwicklungsmöglichkeiten für kleine Bergorte, die traditionell auf die Wintersaison angewiesen sind. Sommeraktivitäten wie Klettern, Rodeln, Mountainbike-Touren und Buggy-Fahrten werden für Touristen attraktiv, die frische Luft und Ruhe suchen.

Herausforderungen und Skepsis

Trotz der steigenden Zahlen sind sich Experten über die langfristigen Auswirkungen dieses Trends uneins. Der schwedische Tourismusexperte Stefan Gosling merkt an, dass die Temperaturen zwar ein wichtiger Faktor bei der Planung sind, kulturelle Besonderheiten, die Umgebung und die Preise jedoch weiterhin entscheidend bleiben. Seiner Meinung nach wechseln Touristen ihre Lieblingsziele selten, wenn diese erst einmal etabliert sind.

Der Preis ist ein weiterer wesentlicher Faktor, der den Vorteil Südeuropas weiterhin aufrechterhält, da es traditionell günstiger ist als der Norden. Zudem spielen die einfache Nutzung des Euro und die gut entwickelte Infrastruktur in den südlichen Regionen eine Rolle.

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Der Trend lässt sich auch außerhalb Europas beobachten. Daten des US-Startups Fora Travel zeigen ein Wachstum der Buchungen in Oslo um 154 % und in Helsinki um 124 % im Vergleich zum Vorjahr. Prognosen deuten darauf hin, dass Reisende zwar nicht vollständig auf südliche Regionen verzichten werden, aber wahrscheinlich beginnen werden, ihre Pläne hin zu kühleren Monaten oder Regionen im Sommer zu ändern.

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